Der Prüfschritt ist immer anwendbar.

Wie wird geprüft

Praktische Erprobung: Beim Navigieren mit TAB und Pfeiltasten bewegt sich der Tastaturfokus erwartungskonform entlang der logischen Blöcke der Bedienelemente von Element zu Element.

  • bei Mängeln feststellen, wie viele Bedienschritte (Tastenanschläge) benötigt werden, um zu der für die Arbeitsaufgabe sinnvollen Reihenfolge zurückzukehren
  • bei Mängeln feststellen, ob möglicherweise nur daran liegt, dass der Tastaturfokus nicht gut sichtbar ist (Prüfschritt 2.4.7)

Die sinnvolle Reihenfolge muss nicht immer eindeutig sein, beispielsweise kann eine Tabelle sowohl zeilen- als auch spaltenweise gelesen werden.

Beispiele

  • In einer Baumstruktur kann der Benutzer mit den Pfeiltasten aufwärts und abwärts gehen. Pfeil-rechts öffnet eine Ebene, Pfeil-links schließt eine Ebene.
  • In einer Suchfunktion öffnet sich ein Dialog mit erweiterten Suchoptionen und einem OK-Button. Nach dem Beenden des Dialogs mit OK landet der Tastaturfokus auf dem ersten Element der angezeigten Suchergebnisse.
  • Fehler: Ein Formular ist in zwei nebeneinander stehende Blöcke angeordnet, wobei links Eingabefelder für Kontaktdaten mit Name, Anschrift etc. und rechts Checkboxen mit verschiedenen Statusangaben wie Kunde, Interessent etc. stehen. Beim Bedienen mit TAB erreicht der Benutzer abwechselnd ein Element des linken und des rechten Blocks.
  • Fehler: Beim Schließen eines Dialogfeldes kehrt der Fokus nicht zum auslösenden Button zurück, sondern landet am Anfang des Bildschirms.
  • Fehler: Beim Öffnen eines Dialogfelds erhält ein Element den Fokus, das aus Sicht des Anwenders zufällig erscheinen muss, weil es weder der aktuellen Aufgabe, noch einer Default-Position, noch dem zuletzt aktivierten Element entspricht. (Nicht verlangt wird, dass der Fokus immer auf dem ersten Bedienelement eines Dialogfensters stehen muss.)

Bewertung

Fehler: Wenn mehr als drei Bedienschritte (Tastenanschläge) benötigt werden, um zu der für die Arbeitsaufgabe sinnvollen Reihenfolge zurückzukehren.

Fehler: Wenn bei Benutzereingaben die Reihenfolge des Tastaturfokus willkürlich erscheint, und zugleich der Fokusindikator nur schwach sichtbar ist.

Anforderung (Beschreibung)

Beim Navigieren mit der Tastatur erhalten die Bedienelemente einer Anwendung den Fokus in einer Reihenfolge, die der logischen Struktur oder dem Bedienablauf entspricht.

Dies ist in der Regel der Fall,

  • wenn die Bedienelemente beim sequentiellen Navigieren in einer Reihenfolge fokussiert werden, die der sichtbaren Anordnung entspricht,
  • wenn beim Aktivieren einer Funktion das Ziel der Aktion den Tastaturfokus erhält,
  • wenn ein sich öffnender Dialog den Tastaturfokus erhält,
  • wenn beim Schließen eines Dialogs der Fokus zu seiner Ausgangsposition oder zum logisch folgenden Element zurückkehrt.

Warum wird das geprüft

Durch eine nicht nachvollziehbare Reihenfolge der fokussierten Elemente kann die Tastaturbedienbarkeit für jeden Benutzer erheblich beeinträchtigt werden. Sehbehinderte oder blinde Benutzer werden darüber hinaus in ihrer Fähigkeit eingeschränkt, sich ein mentales Modell vom Aufbau der Anwendung zu machen.

Nach einem Dialog muss der Benutzer ggf. viele unnötige Tasten betätigen, um zu seiner vorigen Position zurückzukehren, falls der Tastaturfokus nicht automatisch wiederhergestellt wird.

Verweise (Referenzen)

  • EN 301549 v3.1.1 Kap. 11.2.4.3 Focus order
  • WCAG v2.1 Kap. 2.4.3 Focus order