Der Prüfschritt ist immer anwendbar.

Wie wird geprüft

Alle Schriften der Anwendung können mit den Schriftgröße-Einstellungen der Plattform oder der Anwendung auf 400% vergrößert werden, ohne dass dabei Inhalt oder Funktionalität verloren gehen.

Die Fenstergröße auf eine Breite von 320px oder 1.280px einstellen.

Prüfen, ob alle Inhalte nach der Vergrößerung ohne Verlust von Informationen und Funktionen weiterhin zugänglich sind.

Wenn die Inhalte richtig umbrechen, prüfen, ob die Nutzung ohne horizontales Scrollen möglich ist.

Vorgehen

Nehmen Sie die im Folgenden genannten Einstellungen der Reihe nach vor und stellen Sie nach jedem Schritt fest, ob alle oder einige Schriften der Anwendung sich hierdurch auf mindestens 400‘%  der Ausgangsgröße einstellen lassen. Im Zweifel messen Sie mit einem Bildschirmlineal nach.

Bei einer webbasierten Software ist zu prüfen, ob im Browser mit der gewählten Tastenkombination (z. B. Strg + +) die Inhalte ohne Überlagerungen auf 400% skaliert werden, bspw. im Browser Chrome.

Für nicht-webbasierte Software gilt ebenfalls die Inhalte auf 400% skalieren und zu prüfen (die Tastenkombination ggf. in der Dokumentation nachlesen). Hierfür bieten sich folgende Möglichkeiten an (Hinweis: es müssen nicht alle Möglichkeiten verwendet werden):

  • DPI-Einstellung auf das Doppelte erhöhen oder, falls das nicht möglich ist, so hoch wie möglich setzen. Falls die Schriften der Anwendung nun unscharf erscheinen, zuvor aber scharf waren, diese Einstellung rückgängig machen.
  • In der Windows-Systemsteuerung im Dialog Fensterfarbe und -darstellung für alle Elemente, die dies erlauben (Menü, Dialogfeld, ausgewählte Elemente etc.), den Schriftgrad einstellen (Systemsteuerung-Anpassung/Fensterfarben/erweiterte Darstellungseinstellungen).
  • Falls vorhanden, Schriftgröße-Einstellung oder Zoomfunktion der Anwendung benutzen.
  • Bildschirmauflösung herabsetzen (Systemsteuerung-Anzeige/Auflösung)
  • Falls am Ende der Einstellung die Zeichen unscharf sind, so ist dies ein Mangel.
  • Falls sich Einstellmöglichkeiten kumulieren, so dass einzelne Schriften nun mehrfach vergrößert sind, können soweit möglich zuvor getroffene Einstellungen zurückgenommen werden.

Anschließende Sichtprüfung und Erprobung:

  • Sind alle Inhalte der Anwendung, Beschriftungen, Meldungstexte und Daten, sichtbar oder können mit dem Rollbalken sichtbar gemacht werden?
  • Eingaben vornehmen und feststellen, ob der Bildausschnitt automatisch dem Tastaturfokus in den zuvor nicht sichtbaren Bereich folgt.
  • Sind alle Inhalte ohne horizontales Scrollen erreichbar?
  • Ausnahme: Inhalte, die ein zweidimensionales Layout erfordern, wie z. B. Tabellen, Diagramme, Präsentationen usw., dürfen weiterhin horizontal gescrollt werden.

Beispiele

  • Bei Anpassung der Fensterbreite wechselt die Anwendung in die responsive Ansicht.
  • Ein horizonales Menü ist als Dropdown Menü zugänglich.
  • Die Inhalte einer Tabelle mit fachlich relevanten Informationen sind durch horizontales Scrollen erreichbar.

Bewertung

Wenn wichtige Bereiche der Anwendung abgeschnitten sind, so dass der Benutzer sie nicht mehr lesen und bedienen kann, so ist dies eine Blockade. 

Wenn der Bildausschnitt nicht dem Tastaturfokus folgt, so dass der Anwender mit dem Rollbalken nachsteuern muss, um das fokussierte Element zu sehen, so ist dies eine Barriere.

Anforderung (Beschreibung)

Software webbasiert oder Software mit offener Funktionalität

Inhalt kann ohne Verlust von Informationen oder Funktionalität und ohne, dass Scrollen in zwei Richtungen erforderlich ist, dargestellt werden für:

  • vertikal scrollenden Inhalt in einer Breite von 320 CSS-Pixeln;
  • horizontal scrollenden Inhalt in einer Höhe von 256 CSS-Pixeln;

Ausgenommen sind Teile des Inhalts, die ein zweidimensionales Layout für Benutzung oder Bedeutung erfordern.

Anmerkung: 320 CSS-Pixel entspricht einer Ausgangs-Ansichtsbereichsbreite von 1.280 CSS-Pixeln bei 400 % Vergrößerung. Bei Nicht-Web-Software, die für horizontales Scrollen gestaltet ist (z. B. mit vertikalem Text), entsprechen die 256 CSS-Pixel einer Ausgangs-Ansichtsbereichshöhe von 1.024 Pixeln bei 400 % Vergrößerung.

Nicht-Web-Software mit geschlossener Funktionalität

Wenn die Software keinen Zugriff auf Vergrößerungsfunktionen der Plattform oder der Assistenztechnologie hat, muss sie die Anforderungen entsprechend Prüfschritt 1.4.4 Textgröße, Bereich nicht-Web-Software erfüllen.

Warum wird das geprüft

Das Ziel ist die Bereitstellung eines Bedienmodus, in dem der Text groß genug ist, um von Benutzern mit stark vermindertem Sehvermögen genutzt werden zu können.

Verweise (Referenzen)

  • EN 301549 v3.1.1 Kap. 11.1.4.10 Reflow
  • EN 301549 v3.1.1 Kap. 5.1.4 Functionality closed to text enlargement
  • WCAG v2.1 Kap. 1.4.10 Reflow
  • ISO 9241-171 Kap. 10.3.2 Benutzern die Einstellung einer Mindestschriftgröße ermöglichen