Der Prüfschritt ist anwendbar, wenn in einem Formular Eingabefelder für Nutzerdaten vorhanden sind.

Wie wird geprüft

Zu prüfen ist, ob jedes Eingabefeld, das Informationen über den Benutzer sammelt auch programmatisch ermittelbar ist, z. B. Name, E-Mail etc..

Programmatisch ermittelbar bedeutet in diesem Kontext: Der Inhalt für Formularfelder wurde so implementiert, dass die Ermittlung der erwarteten Bedeutung für Formulareingabedaten unterstützt wird und diese sinnvoll vorausgefüllt werden können.

Bei Webanwendungen prüfen, ob bspw. autocomplete-Attribute definiert sind oder andere unterstützte Taxonomien verwendet werden.

Werden autocomplete-Attribute verwendet, prüfen ob diese korrekt sind. Eine Liste gültiger Werte gibt es in der WCAG 2.1: https://www.w3.org/TR/WCAG21/#input-purposes.

Beispiele

  • Ein Kontaktformular füllt die Felder für Name, Straße, Postleitzahl, Stadt, Telefonnummer und E-Mail-Adresse automatisch aus. Die Werte sind im Browser oder Applikation gespeicherten und werden durch die programmatische Ermittlung identifiziert und automatisch vorausgefüllt.
  • Eine Bestellung mit separater Rechnungs- und Lieferadresse: Die sogenannten programmatischen „Tokens“ für „Rechnungsadresse“ und „Lieferadresse“ werden entsprechend in den jeweiligen Feldern verwendet.
  • Anmelde- und Kennwortfelder müssen nur dann vorausausgefüllt werden, wenn es der Nutzer vorher explizit bestätigt.
  • In einem Restaurant-Buchungssystem können nur die Felder vorausgefüllt werden, die explizit zum „eingebenden“ Nutzer gehören.
  • Ein Kontaktformular mit Symbolen: Ein Browser-Plugin zum Hinzufügen von Symbolen fügt Symbole ein, die den Namen, die Privatadresse, die Telefonnummer und die E-Mail-Adresse der Person darstellen, um den Eingabezweck visuell zu identifizieren.

Weitere Beispiele sind auch hier zu finden: https://www.w3.org/WAI/WCAG21/Understanding/identify-input-purpose.html

Anforderung (Beschreibung)

Web-Software und Nicht-Web-Software mit offener Funktionalität

Der Zweck jedes Eingabefelds, das Informationen über den Benutzer anfordert, kann programmgesteuert bestimmt werden, wenn:

  • das Eingabefeld einem Zweck dient, der im Abschnitt Eingabezwecke für Komponenten der Benutzeroberfläche angegeben ist und
  • der Inhalt mithilfe von Technologien implementiert wird, die die Ermittlung der erwarteten Bedeutung für Formulareingabedaten unterstützen.

D.h. Formular-Eingabefelder, die sich klar auf den Nutzer selbst beziehen und eine Benutzereingabe erfordern bzw. dessen Benutzerinformationen wie z. B. Name, E-Mail etc., können programmatisch ermittelt werden. Durch die Identifizierung können unterstützende Technologien den Benutzern den Zweck der Eingabe erläutern.

Nicht-Web-Software mit geschlossener Funktionalität

Wenn die Benutzerschnittstelle für assistive Technologien geschlossen ist, muss die Software dem Benutzer in mindestens einer Betriebsart den Zweck jedes Eingabefeldes, das Benutzerinformationen anfordert, in Audioform ausgegeben werden. Dies kann bspw. auch durch Eingabebezeichnungen aus einem definierten Vokabular oder durch bestimmte Symbole erfolgen, die alternativ als Beschriftung verwendet werden.

Warum wird das geprüft

Der Benutzer muss die Informationen nicht mehr eingeben und kann stattdessen den Wert des Feldes bestätigen oder bei Bedarf ändern. Dies ist ein erheblicher Vorteil für Benutzer mit Gedächtnisproblemen, Legasthenie und anderen Behinderungen.

Da die Werte für die automatische Vervollständigung unabhängig von der Sprache sind, können Benutzer, die möglicherweise nicht mit dem Text vertraut sind, solche Felder trotzdem identifizieren. Benutzer mit Sprach- und Gedächtnisbeeinträchtigungen profitieren vom automatischen Ausfüllen von Formularfeldern. Benutzer mit motorischen Beeinträchtigungen profitieren ebenfalls davon, dass beim Ausfüllen von Formularen weniger manuelle Eingaben erforderlich sind.

Geeignete sichtbare Beschriftungen und Anweisungen können den Benutzern helfen, den Zweck von Formulareingabefeldern zu verstehen. Benutzer können jedoch davon profitieren, dass Felder, in denen bestimmte Arten von Informationen erfasst werden, auf eindeutige, konsistente und möglicherweise angepasste Weise vorausgefüllt werden – entweder durch Standardeinstellungen Benutzeragent oder mithilfe von Hilfstechnologien. Mit dem type-Attribut (Web) gibt es bereits eine Möglichkeit, die Absicht des Eingabefelds allgemein anzugeben, z. B. input type = „tel“, input type = „email“. Dies sind jedoch nur sehr breite Kategorien, die die Art der Eingabe beschreiben, aber nicht unbedingt ihren Zweck, insbesondere in Bezug auf benutzerspezifische Eingabefelder. Beispiel: type = „tel“ gibt an, dass das Feld eine Telefonnummer enthält, klärt jedoch nicht, ob der Zweck darin besteht, die Telefonnummer des Benutzers oder die Telefonnummer einer anderen Person einzugeben.

Zusätzlich zur Nutzung dieser Taxonomie können Browser und andere Benutzeragenten bei Verwendung der Attributtechnik zur automatischen Vervollständigung zur Erfüllung dieses Erfolgskriteriums den richtigen Inhalt vorschlagen und automatisch ausfüllen, indem sie diese Felder basierend auf früheren Benutzereingaben, die im Browser oder der Anwendung gespeichert sind, automatisch vervollständigen.

Moderne Browser implementieren eine integrierte Kennwortverwaltung: Wenn der Benutzer einen Benutzernamen und ein Kennwort für eine Site eingibt, bietet der Browser an, diese für den Benutzer zu speichern. Wenn der Benutzer die Site erneut besucht, füllt der Browser die Anmeldefelder automatisch mit den gespeicherten Werten. Aus diesem Grund unterstützen viele moderne Browser autocomplete = „off“ für Anmeldefelder nicht, auch in Anwendungssoftware wird aus Sicherheitsgründen anders verfahren.

Verweise (Referenzen)

  • EN 301549 v3.1.1 Kap. 11.1.3.5 Identify input purpose
  • WCAG v2.1 Kap. 1.3.5 Identify input purpose