Dieser Prüfschritt ist bei offener Funktionalität immer anwendbar.

Es wird davon ausgegangen, dass die Prüfer*in sich mit der Handhabung von Screenreadern auskennt und dass die vom Screenreader ausgegebenen Rollen- und Wertebezeichnungen bekannt sind. Ebenso müssen Kenntnisse in der Verwendung der weiteren assistiven Systeme vorhanden sein.

Wie wird geprüft

Die verschiedenen Elemente werden mit aktiviertem Screenreader mittels Wisch- und Tippnavigation an navigiert und auf korrekte bzw. sinnvolle Wiedergabe von Name, Rolle, Wert/Zustand und Beschreibung (in Abhängigkeit vom jeweiligen Element) geprüft. Zudem wird die Prüfung bei aktivem Zoom, sowie mit einer externen Tastatur in Verbindung mit dem Screenreader wiederholt. Relevante Objekte sind bspw.:

  • Tasten
  • Umschalttasten
  • Kontrollkästchen
  • Auswahlschalter
  • Registerkarten
  • Ausklapplisten
  • Bei Fokuserhalt von Formularfeldern werden, wenn vorhanden:
    Gruppenname,
    Name (Label),
    Rolle (Elementtyp),
    Wert (Inhalt, Zustand, Status),
    und falls vorhanden
    Positionsnummer und
    die Anzahl
    wiedergegeben.
  • etc.

Name und Rolle müssen bei jedem Element korrekt wiedergegeben werden, ebenfalls falls vorhanden oder sinnhaft der Zustand (bspw. in einer Liste „gewählt“). Grenzen (bspw. 2 von 3, Element 4 von 25) müssen ebenfalls wiedergegeben werden. Gleiches gilt für eventuell verwendete Tooltipps. Achtung: Hier ist wichtig, für den Screenreader die Beziehung von Tooltip und dem entsprechenden Objekt klar herzustellen.

Beispiele

  • Bei Tasten gibt der Screenreader immer deren Namen und Rolle aus, sobald sich das betreffende Element im Fokus befindet. Tasten werden als Tasten erkannt, bei Umschalttasten wird dazu der aktuelle Status („ein/aus“)  ausgegeben.
  • Bei Kontrollkästchen und Auswahlschaltern gibt ein Screenreader korrekt deren Namen, Rolle und Zustand aus („aktiviert“/“nicht aktiviert“, „ausgewählt“/“nicht ausgewählt“).
  • Für Registerkarten gibt der Screenreader mit „Auswahl“ korrekt aus, welcher Reiter gerade ausgewählt ist und wie der Name des Reiters lautet.
  • Auswahlelemente (bspw. Ausklapplisten) werden als solche erkannt, beim Scrollen durch die Auswahlmöglichkeiten werden diese mit sinnvoller Bezeichnung und Angabe von Position und Grenze wiedergegeben.

Anforderung (Beschreibung)

Wenn die APP die assistiven Systeme bedient, muss sie, falls relevant

  • den Gruppennamen,
  • den Namen,
  • die Rolle,
  • den Wert/Zustand,
  • die Position
  • und die Grenze,

durch die Assistenztechnologien bestimmbar machen, indem sie die Dienste wie in Prüfschritt 5.2.3 beschrieben verwendet.

Warum wird das geprüft

Screenreader verwenden in der Regel die Accessibility-API (oder mehrere) des Betriebssystems. Sofern die APP die gleiche API semantisch korrekt bedient, wird die Screenreader-Ausgabe ebenfalls für die barrierefreie Nutzung zielführend sein. Sollten sich bei der Screenreader-Prüfung Widersprüche zu den Ergebnissen aus 4.1.2 (Name, Rolle, Wert) ergeben, beispielsweise eine nicht korrekte Ausgabe des AccessibleName, so kann von einer fehlerhaften Umsetzung des Screenreaders ausgegangen werden, was in 5.2.4 (Assistenztechnologie) negativ bewertet werden müsste.

Verweise (Referenzen)

  • EN 301549 v3.2.1 Kapitel 11.5.2.5 Object information